Das Jahr 1999

Von der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise des Vorjahres erholte sich die Weltwirtschaft schneller als erwartet, legte in der zweiten Jahreshälfte eine – so der Konjunkturbericht der Deutschen Bundesbank – „unerwartet hohe Dynamik" an den Tag und verbuchte eine Zunahme des globalen Bruttoinlandsprodukts von 3,3 Prozent. In Ost- und Südostasien führte ein Bündel von wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen zu einem wieder bemerkenswert guten Wachstum von 4,5 Prozent und einem Rückgang der Inflationsrate von 19 auf 5 Prozent: Kredite des Internationalen Währungsfonds stabilisierten die angeschlagenen Währungssysteme und ermöglichten es, weniger krisenanfälligere Bankensysteme zu konstituieren. Daneben halfen zahlreiche ausländische Direktinvestitionen sowie Reformpakete in den betroffenen Staaten, die darauf abzielten, den öffentlichen Haushalt zu sanieren, die Märkte zu deregulieren und den Abfluss von Kapital zu verhindern.

Nachdem die deutsche Wirtschaft in den ersten sechs Monaten noch von den Folgen der weltweiten Krise 1998 eingeholt worden war, sorgten die gute Konjunktur in den USA, die zügige Erholung der südostasiatischen Volkswirtschaften, das von der Abwertung des Euro zusätzlich angefachte gute Auslandsgeschäft, und der stabile private Konsum für Erleichterung und ließen das Bruttoinlandsprodukt 1999 um 1,5 Prozent wachsen. Das produzierende Gewerbe hatte mit der schwachen Inlandsnachfrage vor allem nach Produkten der Investitionsgüter- sowie der Textil- und Bekleidungsgüterindustrie zu kämpfen und kam nur auf ein schwaches Wachstum von 0,7 Prozent. Überdurchschnittlich gut entwickelte sich allerdings die chemische Industrie als ein Industriezweig mit hohem Innovationsvermögen, die von der Erholung in den USA und Ostasien besonders profitierte und ihre Umsätze um 3,6 Prozent steigerte. Weniger gut erging es dem Maschinenbau mit einem Umsatzrückgang von 0,1 Prozent – hier wirkte sich in erster Linie die Zurückhaltung der Unternehmen bei neuen Investitionen in ihre Maschinenparks negativ aus.

Jahresbericht 1999
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Das Jahr 1998

Nachdem bereits im Herbst des vergangenen Jahres Vorboten einer schweren Rezession nicht zu übersehen waren, wurde die Entwicklung der Weltwirtschaft 1998 maßgeblich von der Währungs- und Finanzkrise in Ost- und Südostasien, der andauernden schlechten Situation der japanischen Wirtschaft sowie wirtschaftspolitischen Nöten Russlands bestimmt. Galten Hongkong, Singapur, Südkorea, Taiwan, Thailand, Malaysia, Indonesien, die VR China und Vietnam in den 1990er-Jahren als besonders dynamische Wirtschaftsregionen, die der Internationale Währungsfonds seit 1997 teilweise bereits zu den „advanced economies" zählte (Hongkong, Singapur, Südkorea Taiwan), fand das beschleunigte Wachstum ein jähes Ende. Zahlreiche Investitionen (vor allem in Thailand und Malaysia) stützten sich auf leichtfertig vergebene Kredite, die im Vertrauen auf fortlaufende Zuwachsraten von den Banken gewährt wurden, die 1997/1998 in massive Existenznöte gerieten, da die Tilgung von Krediten immer häufiger ausblieb. Darüber hinaus wurde die Krise durch die starke Überbewertung vieler ostasiatischer Währungen, die temporär horrende Auslandsverschuldung und die Rezession in Japan als einem der wichtigstem Handelspartner der Region massiv verschärft. Es folgten Bankenzusammenbrüche, Währungszerfall, Kursstürze, Firmeninsolvenzen und Massenentlassungen. So ging das Bruttoinlandsprodukt etwa in Indonesien um 13,7 Prozent, in Thailand um 8 Prozent, in Südkorea um 5,5 Prozent und in Hongkong um 5,1 Prozent zurück.

Im großen und ganzen gelang es der deutschen Wirtschaft, sich im Schatten der Ostasienkrise zu behaupten und das reale Bruttoinlandsprodukt um 2,8 Prozent zu erhöhen. Die Investitionen in Ausrüstungen nahmen zu, der private Verbrauch bewegte sich auf einem stabilen Level, die Zahl der Erwerbstätigen stieg. Der Maschinenbau zählte dank seiner Innovationsfreude und seinen stark nachgefragten High-Tech-Produkten mit einem Umsatzwachstum von 6,3 Prozent zu den einträglichsten Industriezweigen. Hingegen hatte die chemische Industrie unmittelbar die Folgen der Ostasienkrise zu verkraften: Da die Exporte nach Ostasien (und Lateinamerika) deutlich zurückgingen, verminderte sich der Gesamtumsatz der Branche um 1,6 Prozent.

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Jahresabschluss 1998
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Das Jahr 1997

Bis in den Herbst hinein zeichnete sich die Weltwirtschaft durch hohe Wachstumsraten aus und erzielte im Jahresdurchschnitt eine Zuwachsrate des weltweiten Bruttoinlandsprodukts von 4 Prozent und des gesamten Welthandels von 9,4 Prozent. Das globale Gesamtwachstum wurde hauptsächlich von den USA, Kanada, expandierenden Volkswirtschaften in Westeuropa wie Finnland, Spanien und den Niederlanden sowie auch noch von asiatischen Boommetropolen wie Taiwan, Singapur oder Südkorea getragen. Im vierten Quartal deuteten sich allerdings erste Turbulenzen in den Wirtschafts- und Finanzsystemen Ostasiens an, die im folgenden Jahr in eine durchgreifende Rezession münden sollten.

Die erneut florierenden Ausfuhren und eine hohe Investitionsbereitschaft in der exportorientierten Industrie waren dafür verantwortlich, dass die Bundesrepublik ihr reales Bruttoinlandsprodukt um 2,8 Prozent vermehrte. Das verarbeitende Gewerbe (produzierendes Gewerbe ohne die Bauwirtschaft) legte bei den Umsätzen um 4,3 Prozent zu – ein bemerkenswertes Ergebnis, dass in vielen Branchen auf Produktionssteigerungen durch Automatisierungsprozesse, Abbau von Arbeitskräften und verhaltenen Lohnerhöhungen beruhte. Alle Maßnahmen trugen dazu bei, die Lohnstückkosten in der Industrie abzubauen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die passable Nachfrage nach innovativen Produkten, eine erhöhte Produktivität und konkurrenzfähige Preise halfen der chemischen Industrie, sich aus einer Phase der Stagnation zu befreien und ihre Umsätze um 7 Prozent zu erhöhen. Robust präsentierte sich auch der Maschinenbau, der über den Abbau von Beschäftigten Personalkosten dämpfte, seine Exportquote steigerte (über 60 Prozent) und am Jahresende ein Umsatz-Plus von ca. 4 Prozent meldete.

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Das Jahr 1996

Nach Auffassung der Deutschen Bundesbank stand die Weltwirtschaft, die 1996 global um 4 Prozent wuchs, „im Zeichen eines insgesamt verbesserten [...] Umfelds". Die westlichen Industriestaaten kamen im Durchschnitt auf ein Wachstum von 2 Prozent, das leicht unter dem Vorjahresergebnis lag (2,3 Prozent). Die nachhaltigsten Wachstumsschübe gab es erneut in den Entwicklungs- und Schwellenländern Ost- und Südostasiens, die auf eine extrem beschleunigte Industrialisierung, die staatlich geförderte Expansion von Unternehmen, den Export von Fertigwaren in westliche Industriestaaten und auf die Direktinvestitionen westeuropäischer Firmen setzten, die ihre Chancen im asiatisch-pazifischen Raum nutzen wollten. Die Wachstumsraten der „Dynamic Asian Economies" erreichten auch 1996 beträchtliche Werte und bewegten sich zwischen 4,5 Prozent in Hongkong und 9,7 Prozent in der VR China (Thailand: 6,7 Prozent; Singapur: 7 Prozent; Südkorea: 7,1 Prozent; Indonesien: 7,8 Prozent; Malaysia: 8,4 Prozent; Vietnam: 9,5 Prozent).

In der Bundesrepublik blieb die Wirtschaft auf einem bescheidenen Wachstumskurs und kam zu einem leichten Anstieg ihres Bruttoinlandsprodukts (+1,4 Prozent). Nicht gut war es um die Industrieproduktion bestellt, die sich einer ungenügenden Investitionsbereitschaft der Unternehmen gegenüber sah, einen schwachen Absatz im Inland auch bei Verbrauchsgütern verzeichnen musste und im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent abnahm. Alleine das Baugewerbe hatte ein Umsatz-Minus von annähernd 10 Prozent zu Buche stehen. Einen schweren Stand hatten auch die chemische Industrie, die Umsatzeinbußen von ca. 3 Prozent hinnehmen musste, und der Maschinenbau, der auf den Auslandsmärkten die günstig produzierende Konkurrenz aus Ostasien sowie den USA zu spüren bekam und den Gesamtumsatz lediglich um ca. 2 Prozent verbesserte.

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Das Jahr 1995

Mit einem Wachstum von 3,5 Prozent bewegte sich die Weltwirtschaft auf dem Niveau des Vorjahres. Kennzeichnend blieben die Disparitäten zwischen den großen Wirtschaftsregionen: Verlor die Wirtschaft in den westlichen Industriestaaten im Jahresverlauf an Fahrt (um schlussendlich einen Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts von 2 Prozent zu erzielen), boomten die Volkswirtschaften in den Schwellenländern Ost- und Südostasiens, die ihre Wirtschaftsleistung gemeinsam um 7 Prozent zu vermehren. Die Globalisierung drückte der Weltwirtschaft weiter ihren Stempel auf, beschleunigte sich Mitte der 1990er-Jahre noch einmal und spiegelte sich bereits in den nüchternen ökonomischen Daten zur Entwicklung des Welthandels wider: zwischen 1975 und 1995 nahm der Anteil des globalen Exports von Waren an der Weltgüterproduktion von etwa 10 Prozent auf 20 Prozent zu.

In der Bundesrepublik erwies sich die Hoffnung, die schwere Rezession der frühen 1990er-Jahre endgültig überwinden zu können, als zu optimistisch. Das Wirtschaftswachstum bewegte sich wieder leicht nach unten und betrug nur knapp 2 Prozent, während die Industriegüterproduktion nach Einbrüchen in der zweiten Jahreshälfte ein Plus von lediglich 0,5 Prozent zu verzeichnen hatte. Die hohe Bewertung der D-Mark belastete das traditionelle Exportgeschäft, die Unternehmen verzichteten darauf, ihre Investitionen in Deutschland zu erhöhen, die Zahl der insolventen Firmen stieg, die Arbeitslosigkeit nahm nochmals zu. In der chemischen Industrie stiegen die Umsatzziffern leicht an (Gesamtumsatz 1995: 234,6 Mrd. DM), wobei der Umsatz in den Betrieben der ehemaligen DDR nach ihrer organisatorischen Restrukturierung und technischen Modernisierung erstmals größer war als in den „alten" Bundesländern. Der Maschinenbau erlebte wie im Vorjahr eine Phase der leichten Erholung und vermeldete am Jahresende eine mäßige Umsatzsteigerung.

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Das Jahr 1994

Die Belebung der Konjunktur in Nordamerika, Westeuropa und Japan, das starke Wachstum der Wirtschaft in den Schwellenländern, niedrige Rohstoffpreise, aber auch abnehmende Wirtschaftsleistungen etwa in Afrika oder in einzelnen Ländern der osteuropäischen Reformstaaten, wo die Industrieproduktion bedenklich sank, prägten die Entwicklung der Weltwirtschaft, die mit 3,7 Prozent so stark wuchs, wie in den vergangenen fünf bis sechs Jahren nicht mehr.

In der Bundesrepublik folgte der tiefgreifenden Krise die langsame Erholung. Die rege Nachfrage aus dem Ausland und die gute Konjunktur im Baugewerbe waren hauptsächlich dafür verantwortlich, dass sich das Bruttoinlandsprodukt wieder um 2,9 Prozent erhöhte. In Westdeutschland zog die Exportnachfrage spürbar um 7,7 Prozent an, während die Unternehmen bei ihren Anlageninvestitionen immerhin um 1,2 Prozent zulegten. Die fortschreitende Privatisierung und die beträchtlichen öffentlichen Transferleistungen von West nach Ost trieben in Ostdeutschland den Aufholprozess voran. Die Baubranche verzeichnete 25,4 Prozent und das produzierende Gewerbe 16,9 Prozent mehr Aufträge als 1993. Dennoch blieb im gesamten Bundesgebiet die Arbeitslosigkeit (die Statistik zählte 3,7 Millionen Personen ohne Arbeit) und die zahlreichen Zusammenbrüche von Unternehmen (rund 25.000 Firmen dürften im Bundesgebiet betroffen gewesen sein) besorgniserregend. Die chemische Industrie zog am Jahresende eine zwiespältige Bilanz. Zum einen signalisierte die Umsatzsteigerung von 6,4 Prozent ein Ende der Krise; zum anderen führten Rationalisierungsstrategien zu einem weiteren Abbau der Beschäftigtenzahl, die in der Chemiebranche zwischen 1992 und 1994 von 654.800 auf 561.000 sank. Ein ähnliches Bild gab der deutschen Maschinenbau ab, der einerseits von der anziehenden Konjunktur im In- und Ausland profitierte und seine Umsätze um 2,3 Prozent erhöhte, andererseits sein Personal von 1,12 Millionen (11993) auf 947.700 am Jahresende reduzierte.

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Das Jahr 1993

Die seit 1990 konjunkturell schwache Bilanz der Weltwirtschaft setzte sich insgesamt auch 1993 noch fort, die ein globales Wachstum von rund 2 Prozent erreichte. Allerdings mehrten sich die Indizien für eine Trendwende. Die USA (+3 Prozent), Kanada (+2,4 Prozent) und Großbritannien (+2 Prozent) hatten wieder ordentliche Zuwachsraten erwirtschaftet. Unter den westlichen Industriestaaten erzielten dagegen u.a. Schweden, die Schweiz, Italien, Frankreich und auch die Bundesrepublik schwache Wachstumsziffern.

Die „alte" Bundesrepublik wurde im vierten Jahr nach der „Wende" sogar von der schwersten ökonomischen Krise seit ihrer Gründung eingeholt. Die kontinuierlich sinkende Nachfrage aus dem Ausland, überzogene Erwartungen in die ostdeutschen Märkte und hohe Lohnsteigerungen trafen vor allem das produzierende Gewerbe und ließen das reale Bruttosozialprodukt im vereinigten Deutschland um 1,2 Prozent sinken. In Ostdeutschland wirkte sich hingegen die von der Treuhandanstalt forcierte Privatisierung positiv auf die Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts aus, das erneut um 7 Prozent zunahm.

Die einschneidende Krise verschonte auch nicht die beiden Flaggschiffe unter den Industiebranchen. Die chemische Industrie musste in West und Ost die schwersten Einbrüche seit der Gründung der beiden deutschen Staaten verkraften und einen realen Umsatzrückgang von 7 Prozent hinnehmen, der auf die Liquidation nicht mehr wettbewerbsfähiger Chemieunternehmen in der ehemaligen DDR und branchenbedingten Absatzkrisen zurückzuführen war. So wurden etwa Farben und Lacke, Düngemittel oder Produkte der Pharmaindusie deutlich weniger nachgefragt als in der Vergangenheit. Nicht viel besser erging es dem Maschinenbau, der die ausbleibenden Investitionen in Industrie und Handwerk unmittelbar spürte und daneben die Abwicklung von nicht mehr lukrativen und veralteten Firmen in Ostdeutschland zu bewältigen hatte. Der Gesamtumsatz der Branche ging real um ca. 10 Prozent zurück, ihr Auslandsumsatz verminderte sich um 4,6 Prozent.

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Das Jahr 1992

Die weltwirtschaftliche Entwicklung verlief mit einer Zunahme der globalen Wertschöpfung von rund 1 Prozent auch 1992 insgesamt sehr verhalten. Bemerkenswert waren erneut die augenfälligen Unterschiede zwischen den Staatengruppen. Innerhalb der Industriestaaten verbesserte sich die konjunkturelle Lage etwa in den USA und Kanada, wohingegen Japan, Italien und Deutschland wirtschaftlich eher schwache Daten präsentierten. Die Staaten hinter dem ehemaligen „Eisernen Vorhang" brachen ökonomisch weiter ein; gleichzeitig unterstrichen die Schwellenländern Ostasiens ihren Status als bedeutende Wachstumszentren.

„Retardierende Einflüsse von außen", so die Analyse der Deutschen Bundesbank, „aber auch hausgemachte Bremsfaktoren" bestimmten in der Bundesrepublik die Wirtschaftsentwicklung, die in Westdeutschland nicht richtig Fahrt aufnahm, unter dem Eindruck eines schwachen Exportgeschäfts sowie eines hohen Lohnkostendrucks stand und real (Bruttosozialprodukt zu Preisen von 1985) nur um 0,9 Prozent stieg. Die Wirtschaft in Ost-Deutschland bot ein ambivalentes Bild. Zum einen zogen die Binnennachfrage und die Investitionen in der Baubranche deutlich an, zum anderen wirkte sich die Erosion der osteuropäischen Märkte negativ auf die Wirtschaft aus.

In wichtigen Industriezweigen des wiedervereinigten Deutschland schwächte sich die Konjunktur spürbar ab. Im Maschinenbau, der einen realen Umsatzeinbruch von 6 Prozent hinnehmen musste, drückten die schwache Nachfrage bei traditionell wichtigen Abnehmern im Ausland und die kostengünstigere Konkurrenz in den ostasiatischen Staaten den Auslandsumsatz um 3 Prozent nach unten. Daneben erwies sich im Inland die Schließung zahlreicher, technisch überalterter Betriebe als eine Belastung für die Branche. Für die chemische Industrie waren in erster Linie die regionalen Disparitäten zwischen West und Ost charakteristisch: In der „alten" Bundesrepublik nahm der Umsatz leicht um 1,1 Prozent zu. Dagegen verharrte die Branche in der ehemaligen DDR nach der Auflösung vieler nicht mehr profitabeler Unternehmen sowie der Modernisierung zahlreicher Anlagen inmitten einer Strukturkrise und hatte einen um 10,5 Prozent sinkenden Umsatz zu verzeichnen.

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Das Jahr 1991

Nachdem die globale Konjunktur bereits in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres deutlich abkühlte, erreichte die Weltwirtschaft 1991 die Talsohle und blieb sogar hinter dem Vorjahresergebnis zurück (-0,3 Prozent). In den Ländern des ehemaligen „Ostblocks" und des RGW ging die wirtschaftliche Leistungskraft um real 12 bis 15 Prozent zurück, die nordeuropäischen und angelsächsischen Volkswirtschaften stagnierten, ein Industriestaat wie Japan erreichte allenfalls ein mäßiges Wachstum.

Die gesamtwirtschaftliche Situation in der Bundesrepublik wurde stark vom Prozess der Vereinigung der beiden ehemals getrennten deutschen Staaten bestimmt. Die große Nachfrage aus Ostdeutschland hielt die westdeutsche Wirtschaft in Schwung, die auch Rückschläge bei den Exportgeschäften verkraftete und das reale Bruttosozialprodukt um 3,1 Prozent steigerte. In den „neuen" Bundesländern war die ökonomische Entwicklung durch einen erheblichen Rückgang der Industrieproduktion (bedingt durch die Auflösung des Transferrubelsystems und dem Zerfall der Nachfragestrukturen in den ehemaligen RGW-Staaten) und einem weitreichenden Anpassungsprozess (Aufgabe veralteter Betriebe etc.) charakterisiert.

Die schwache Konjunktur in wichtigen Industrienationen wirkte sich auch auf die chemische Industrie aus, die weltweit insgesamt stagnierte. Auch in Westdeutschland kam die Branche über ein bescheidenes Umsatz-Plus von 1,9 Prozent nicht hinaus, behauptete aber im Welthandel mit Chemieerzeugnissen ihren ersten Rang (vor den USA und Japan). Da die Chemieindustrie in Ostdeutschland nach der Wende international keine Wettbewerbschancen mehr hatte, wurde zahlreiche Betriebe liquidiert oder mit erheblichem finanziellen Aufwand modernisiert. Rückschläge gab es vor dem Hintergrund einer schwachen Weltkonjunktur auch für den (westdeutschen) Maschinenbau, der seinen Gesamtumsatz lediglich um 2,5 Prozent steigerte (der Auslandsumsatz verminderte sich gar um 6,1 Prozent).

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Das Jahr 1990

Gegenüber den ausgehenden 1980er-Jahren verlor das Wachstumstempo der Weltwirtschaft weiter an Beschleunigung. Nachdem sich die globalen Rahmenbedingungen im Jahresverlauf - u.a. durch die militärischen Konflikte am Persischen Golf – verdüsterten, stand am Jahresende ein weltweites Wachstum von real 2,2 Prozent zu Buche. Im Kreis der Industrieländer gehörten die USA, Kanada, Großbritannien, Italien, Schweden und Frankreich zu den Ländern mit schwächeren Wachstumsziffern. Japan, Belgien, die Niederlande und auch die Bundesrepublik schrieben 1990 hingegen überdurchschnittliche Zuwachsraten.

Da der Außenhandel Rekordbilanzen vorlegte, die inländischen Investitionen Spitzenwerte erreichten (die Anlageninvestitionen erhöhten sich um 12,4 Prozent, die Bauinvestitionen um 11,4 Prozent, die Ausrüstungsinvestitionen um 7,1 Prozent), der Privatkonsum um 4,4 Prozent nachhaltig zulegte, die Preise stabil blieben und die bevorstehende Wiedervereinigung (sowie die Öffnung zahlreicher RGW-Staaten im Zusammenhang der „Wende" in Osteuropa) die Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern belebte, gab die westdeutsche Wirtschaft ein ausgesprochen gutes Bild ab. Das reale Bruttosozialprodukt nahm um 4,5 Prozent zu – eine Zuwachsrate, die in der Bundesrepublik seit 1979 nicht mehr erzielt worden war.

Die starke Binnennachfrage hielt auch das produzierende Gewerbe in der Erfolgsspur, das seine Umsätze real um ca. 4,5 Prozent nach oben drückte. Die chemische Industrie in Deutschland fügte sich in die weltweit nicht einfache Situation der Branche ein (die in zahlreichen Ländern z.B. von der schwachen Nachfrage im Kraftfahrzeugbau und in der Textilindustrie betroffen wurde) und mit 1,6 Prozent ein geringeres Wachstum als im Vorjahr erreichte. Das rege Interesse u.a. an Werkzeug-, Druck-, Papier- und Textilmaschinen hielt dagegen den Maschinenbau auf Kurs, der ein Umsatz-Plus von 8,3 Prozent erwirtschaftete.

Jahresbericht 1990 (only available in German)
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