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Diana Buss

Corporate Communications

Senior Vice President Communications

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diana.buss@messergroup.com

Das Jahr 1979

Die wirtschaftliche Entwicklung der westlichen Industrieländer, die ihre reales Bruttosozialprodukt um 3 Prozent erhöhten, wurde 1979 von einer insgesamt einheitlichen Verlaufskurve bestimmt: Die konjunkturellen Aufschwünge in den ersten sechs Monaten verflachten - bei regionalen Unterschieden - im Jahresverlauf zusehends. Deutlich büßte die Konjunktur etwa in den USA, Großbritannien und in den Niederlanden an Fahrt ein; hingegen zeigte sich beispielsweise Japan dank boomender Industriegüterexporte gegenüber dem globalen Abwärtstrend weitgehend immun.

Die Wirtschaft in der Bundesrepublik entwickelte sich in mancher Hinsicht etwas günstiger als die Volkswirtschaften vergleichbaren Industriestaaten. Das Bruttosozialprodukt nahm real um 4,4 Prozent, die Ausfuhren um 7 Prozent zu. Die Industrie erwirtschaftete bei einer Kapazitätsauslastung von 84,4 Prozent eine Zuwachsrate von 5,6 Prozent und steigerte ihre Gesamtinvestitionen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent. Zugleich ging die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt auf 876.000 zurück (-11,8 Prozent). Obwohl die Ergebnisse der chemischen Industrie in den westlichen Industrieländern durch die gestiegenen Rohstoff- und Ölpreise sowie durch Überkapazitäten in diversen Geschäftszweigen getrübt wurden, gelang es den Chemieunternehmen in der Bundesrepublik, ihre Umsätze von 110,61 Mrd. DM (1978) auf 126,27 Mrd. DM zu erhöhen. Insgesamt investierte die Branche ca. 6 Mrd. DM, die sich zu jeweils einem Drittel auf die Erweiterung von Kapazitäten, Ersatzbedarf und auf die Rationalisierung von Produktionsprozessen verteilten. Durch ein stabiles Wachstum zeichnete sich auch der Maschinenbau aus, der eine Umsatzsteigerung von über 5 Prozent erreichte.

Jahresbericht 1979 (only available in German)
PDF (2,7MB)

Das Jahr 1978

Die Hochkonjunktur in der USA und der Aufschwung der japanischen Wirtschaft sorgten dafür, dass die Weltwirtschaft wieder beschleunigt wuchs und die westlichen Industrieländer auf eine Zunahme des realen Bruttosozialprodukts von etwa 3,5 Prozent kamen. Allerdings beruhte die wirtschaftliche Erholung insbesondere auf staatlichen Konjunkturprogrammen und nicht auf einem sicht selbst tragenden Aufschwung. Darüber hinaus standen die EG-Staaten deutlich im Schatten der USA und Japan. Während die USA ein industrielles Wachstum von 7,7 Prozent erreichte, kamen die EG-Länder lediglich auf einen Durchschnittswert von 2,3 Prozent. Als spezifische Probleme der europäischen Industrie galten gemeinhin die erhöhten Erdöl- und Rohstoffpreise, starke Wechselkursschwankungen, veralteten Produktionsanlagen und die zunehmende Konkurrenz der billiger produzierenden ostasiatischen Staaten.

Die Wirtschaftsentwicklung in der Bundesrepublik gestaltete sich insgesamt etwas freundlicher als in vielen anderen EG-Staaten. Das reale Bruttosozialprodukt (+ 3,1 Prozent) und das Umsatzwachstum in der Industrie (+3,8 Prozent) übertrafen die Werte der meisten Mitgliedsländer und die Zahl der Arbeitslosen lag mit rund 992.950 erstmals seit 1974 wieder unter einer Million. Allerdings nahmen sowohl die chemische Industrie als auch der Maschinenbau nicht vernünftig Fahrt auf. Steigende Rohstoffkosten, Überkapazitäten (vor allem in den Sparten Chemiefasern, Kunststoffe und Düngemittel) und eine wenig günstige Preisentwicklung verhinderten große Sprünge der Chemiebranche, die zwar ihre Produktionsmenge um 4,5 Prozent, ihre Umsätze jedoch nur um rund 2 Prozent steigerte. Bei ihren Investitionen konzentrierten sich die Unternehmen (die gesamte Investitionssumme betrug 5,5 Mrd. DM) auf Rationalisierungsmaßnahmen und weniger auf die Erweiterung der Produktion. Der Maschinenbau musste sich mit einem Umsatzwachstum von nur 1 Prozent und einer abnehmenden Netto-Umsatzrendite von rund 2 Prozent zufrieden geben. Der Textilmaschinen- und Apparatebau stagnierte, während die Geschäftszweige Baumaschinen und Informationstechnik expandierten.

Jahresbericht 1978 (only available in English)
PDF (2,4MB)

Das Jahr 1977

Die Situation der Weltwirtschaft wurde 1977 immer noch wesentlich von den Folgen der schweren Rezession 1974/75 bestimmt. Die Analysten machten weiterhin Investitionsschwächen, Überkapazitäten nach langjähriger Wachstumseuphorie und allenthalben Unsicherheiten im Umgang mit zentralen wirtschaftspolitischen Fragen aus. Unter den OECD-Staaten erhöhte sich das reale Bruttosozialprodukt um rund 3,5 Prozent (an der Spitze standen Japan mit +6 Prozent und die USA mit +4,8 Prozent), im EG-Raum um rund 2,3 Prozent.

Auch wenn in der Bundesrepublik von einer ökonomischen Krise keine Rede sein konnte, umschrieb die Deutsche Bundesbank in ihrem Geschäftsbericht die gesamtwirtschaftliche Situation im Jahr 1977 als „unbefriedigend". Das Bruttosozialprodukt erreichte nicht die hohe Wachstumsdynamik des Vorjahres und nahm real um lediglich 2,4 Prozent zu. Der reale Gesamtumsatz in der Industrie zog mit einem Plus von 2,5 Prozent ebenfalls eher verhalten an. Die verarbeitende Industrie hatte darüber hinaus mit einem unzureichenden Auslastungsgrad ihrer Produktionsanlagen (ca. 80 Prozent) zu kämpfen, in die überdies häufig nicht genügend investiert worden war: Etwa 48 Prozent aller industriellen Anlagen waren 1977 älter als zehn Jahre. Immer bedeutender für das Wirtschaftsleben wurde schließlich die Arbeitslosigkeit, die kaum abnahm (1976: 1.060.300, 1977: 1.030.000) und seit Mitte der 1970er-Jahre vielmehr zu einem gesellschaftlichen Dauerproblem wurde.

Die chemische Industrie erzielte nicht mehr die herausragenden Ergebnisse des Vorjahres und erreichte mit einem Produktionszuwachs von bescheidenen 0,5 Prozent seit langem nicht einmal die Quote des gesamtindustriellen Wachstums. Die einzelnen Geschäftszweige der Chemiebranche entwickelten sich recht unterschiedlich: In der Produktion organischer Grundstoffe blieben Zuwächse aus, die Herstellung von synthetischem Kautschuk, von Pharmazeutika und von Düngemitteln erwies sich indes als lukratives Geschäft. Weltweite Überkapazitäten dämpften hingegen die Gewinne in der Chemiefaserproduktion. Ein eher schwaches Jahr erlebte auch der Maschinenbau. Die Nettoproduktion veränderte sich kaum (-0,1 Prozent), der Export sah sich durch die Aufwertung der DM und durch im internationalen Vergleich hohe Lohnnebenkosten unter verschärftem Wettbewerbsdruck und die Zahl der Firmenzusammenbrüche stieg (193).

Jahresbericht 1977 (only available in German)
PDF (2,3MB)

Das Jahr 1976

Zahlreiche Wirtschaftsinstitute sahen die Weltwirtschaft 1976 in einem Zustand der trügerischen Ruhe. Auf der einen Seite gelang es den meisten krisengeschüttelten Volkswirtschaften, die Wachstumsschwäche zu überwinden (das reale Bruttosozialprodukt nahm global um 5,8 Prozent zu). Auf der anderen Seite waren nicht nur für das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung" in Berlin (West) die weltweit kaum gesunkene Arbeitslosigkeit und das immer noch eher geringe Auslastungsniveau der Produktionsanlagen Gründe genug, um von einer „immer noch labilen Lage" der westlichen Industrieländer zu sprechen.

Der schweren wirtschaftlichen Krise folgte in der Bundesrepublik eine rund fünfjährige Erholungsphase. Das reale Bruttosozialprodukt zeigte mit einer Zunahme von 5,6 Prozent das Ende der Rezession ebenso an wie die stark gestiegenen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen (+14 Prozent), die wieder intensiveren Anlageinvestitionen (+7 Prozent) und der erhöhte reale Gesamtumsatz der Industrie (+7,6 Prozent). Im industriellen Sektor sorgten hauptsächlich die Folgen der Investitionszulage, der Lagerabbau und die hohe Auslandsnachfrage für eine anziehende Konjunktur, aus der in erster Linie die Investitionsgüterindustrie Nutzen zog (Umsatz: +12,6 Prozent). Zu den großen Gewinner-Branchen gehörte auch die chemische Industrie mit einem Umsatzwachstum von 16,1 Prozent. Für den Erfolg der großen Chemiekonzerne gab der BASF-Vorstandsvorsitzende Matthias Seefelder in einem Interview mit dem Handelsblatt im Mai 1977 die „ölpreisbedingte inflationäre Ausweitung des Geschäfts", „chemische und technische Ideen" und die „Konzern-Arrondierungen der 1960er-Jahre" an. Gleichzeitig hob Seefelder hervor, dass seit Mitte der 1970er-Jahre „viele Innovationsvorteile verbraucht" seien und „neue Produkte immer öfter nur Spezialitäten, Variationen zu gleichen Thema sind". Mehr als zufrieden durfte auch der Maschinenbau sein, der einen um 11,9 Prozent höheren Gesamtumsatz erwirtschaftete. Dabei blieben im Exportgeschäft die Werkzeugmaschinen und die Antriebstechnik die wichtigsten Sparten.

Jahresbericht 1976 (only available in German)
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Das Jahr 1975

Die im Winter 1974/1975 einsetzende weltweite wirtschaftliche Talsohle reichte weit bis in das Jahr 1975 hinein. Das Bruttosozialprodukt der OECD-Staaten verminderte sich real um 2 Prozent, die Industrieproduktion stagnierte weltweit oder blieb deutlich hinter den Vorjahreswerten zurück. Den stärksten Rückgang des Bruttosozialprodukts hatten unter den OECD-Ländern die Schweiz, Italien, Irland und auch die Bundesrepublik hinzunehmen. Alleine Norwegen, Japan und Schweden erzielten noch reale Zuwächse.

Entgegen den optimistischen Prognosen zahlreicher Wirtschaftsinstitute, die auf die Kraft der wirtschaftspolitischen Maßnahmen und eine als bald erhöhte Nachfrage vertrauten, traf die Rezession die Bundesrepublik „im Jahr der Fehlprognosen", so das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung" in seinen Wochenberichten, mit ganzer Wucht. Das reale Bruttosozialprodukt sank um 3,4 Prozent, die industrielle Produktion ging nach massiven Einbrüchen vor allem im ersten Halbjahr insgesamt um rund 7 Prozent zurück und die Arbeitslosenquote erreichte mit 4,8 Prozent nicht mehr für mögliche gehaltene Rekordhöhen. Der Gesamtumsatz des industriellen Sektors, der 6,5 Prozent weniger Personen als im Vorjahr mit Arbeit versorgte, entwickelte sich seit der eher noch leichten Flaute 1967 erstmals auch nominal rückläufig (-3 Prozent). Von der tiefen Krise waren besonders die Produktionsgüter- und Grundstoffindustrien betroffen (-13 Prozent), während die Verbrauchsgüter-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie noch vergleichsweise ungeschoren davon kam. In der chemischen Industrie gingen die Umsätze um empfindliche 13,3 Prozent zurück, im Maschinenbau fiel die Nettoproduktion um 7,7 Prozent.

Jahresbericht 1975 (only available in German)
PDF (1,4MB)

Das Jahr 1974

Das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung" machte für die Weltwirtschaft im Jahr 1974 zurecht „weitaus stärker als in der Vergangenheit ungelöste Probleme aus". Arbeitslosigkeit, hohe Inflationsraten, Hungerkrisen, Energieengpässe und ein weltweiter Konjunkturabschwung überschnitten sich und verdeutlichten die Grenzen des globalen Wachstums. Die USA erlebte die tiefste Krise seit den 1930er-Jahren, Westeuropa eine durchgreifende Rezession. Im Kreis der OECD-Staaten verringerte sich das reale Bruttosozialprodukt um 0,3 Prozent. In der Bundesrepublik verdüsterte sich die wirtschaftliche Situation weiter. Zwar nährte die Zunahme der Auftragsbestände in der verarbeitenden Industrie um 16 Prozent noch Hoffnungen auf eine rasche Überwindung der Ölkrise - andere Indikatoren wiesen indes in eine andere Richtung: Das Bruttosozialprodukt stagnierte mit +0,4 Prozent nahezu, die Arbeitslosenquote erhöhte sich auf 2,6 Prozent, die Inflationsrate stieg auf annähernd 7 Prozent, die Nachfrage der Investitionsgüterindustrie blieb rückläufig, die industrielle Nettoproduktion brach in fast allen Branchen ein. Das wirtschaftspolitische Krisenmanagement der Bundesregierung, die ein Konjunktursonderprogramm und eine Investitionszulage beschloss, vermochte es zunächst nicht, die Talfahrt nachhaltig zu bremsen. Weniger krisenanfällig zeigte sich allerdings die chemische Industrie, die ihre Nettoproduktion und ihre Umsätze (1973: 65,17 Mrd. DM, 1974: 86,93 Mrd. DM) steigerte. Gemessen am Umsatz führte der Großkonzern BASF gar die Liste der weltweit größten Chemieunternehmen an. Stabil entwickelte sich in der Krise auch der Maschinenbau. Der Gesamtumsatz nahm bei einer nahezu gleichbleibenden Beschäftigtenzahl (1973: 1.086.400, 1974: 1.089.200) von 69,17 Mrd. DM im Vorjahr auf 76,39 Mrd. DM zu.

Jahresbericht 1974 (only available in German)
PDF (1,8MB)

Das Jahr 1973

Im Jahr 1973 wurde nicht nur die westdeutsche Volkswirtschaft, sondern das gesamte weltwirtschaftliche Gefüge tiefgreifend erschüttert. Mit der Freigabe der Wechselkurse gegenüber dem Dollar in Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Staaten am 19. März („Block-Floating") brach das System fester Wechselkurse zusammen. Militärische Konflikte belasteten die Weltwirtschaft zusätzlich. Nach Ausbruch des Jom-Kippur-Krieges reduzierten die arabischen Staaten im Oktober ihre Öllieferungen und zogen gleichzeitig die Preise für Mineralöl abhängige Energieträger an (Benzin für Kraftfahrzeuge, Heizöl, Chemie-Rohstoffe).

Obgleich der Übergang zum „Block-Floating" half, die Folgen des ersten „Ölpreisschocks" in der Bundesrepublik zu dämpfen und Westdeutschland anders als etwa die USA nicht unmittelbar vom Lieferboykott betroffen war, neigten sich die Jahre der Hochkonjunktur, der Vollbeschäftigung und der billigen Energieversorgung ihrem Ende zu und wurden von einer Periode der „Stagflation" (niedrige Wachstumszahlen bei zunehmender Inflation) und steigender Arbeitslosigkeit abgelöst. Das Rohöl „war der Lebenssaft der Industrienation Bundesrepublik" (Edgar Wolfrum), die 75 Prozent ihres Bedarfs in arabischen Ländern deckte. Im November beantwortete die Bundesregierung die Ölkrise mit dem Energiesicherungsgesetz, der Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen und Landstraßen, einem Anwerbestop für ausländische Arbeitskräfte, und dem Fahrverbot an vier Sonntagen im November und Dezember. Die weitreichende ökonomische Krise schlug sich sowohl in der Wirtschaftspolitik als auch im gesellschaftlichen Zeitgeist nieder. Fortan wurde „über Sinn und Unsinn des Wirtschaftswachstums" (Knut Borchhardt) öffentlich intensiv diskutiert.

Jahresbericht 1973 (only available in German)
PDF (1,7MB)

Das Jahr 1972

Die fortschreitende Inflation, Störungen im Gefüge des internationalen Währungssystems, die Furcht vor einer globalen Energiekrise, aber auch die weitere ökonomische Expansion der westlichen Industrieländer und ein weiter florierender Welthandel bestimmten die Weltwirtschaft im Jahre 1972. In den OECD-Ländern nahm das reale Bruttosozialprodukt im Durchschnitt um 5,6 Prozent zu (Japan: + 9,2 Prozent, USA: +6,4 Prozent). An der beschleunigten Entwicklung der industriellen Produktion hatte auch die Bundesrepublik Anteil, die einen Produktionszuwachs von 3,2 Prozent verzeichnete und ihr Bruttosozialprodukt nominal um 9,2 Prozent erhöhte.

In der Bundesrepublik hielt allerdings der Trend des Vorjahres an, der immer deutlicher zu einem wirtschaftspolitischen Strukturproblem wurde. Das Bruttosozialprodukt erhöhte sich real um lediglich 2,9 Prozent und lag deutlich unter dem Preisindex für die Lebenshaltungskosten (+5,8 Prozent). Darüber hinaus nahm seit drei Jahren erstmals wieder die Arbeitslosenquote auffällig zu (1971: 0,8 Prozent, 1972: 1,1 Prozent). Dass mit einem Rückgang der Konjunktur die Preise nicht sanken und Arbeitslosigkeit und Inflation gleichzeitig auftraten, war für ökonomisch Sachverständige und die Politik gleichermaßen eine bisher unbekannte Erfahrung. Die neuen gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen verdeutlichten letztlich, dass sich die Hoffnung seit den ausgehenden 1960er-Jahren, Wirtschaft und Konjunktur mit Hilfe politischer Instrumentarien global steuern und stabil halten zu können, langfristig nicht einlösen ließ.

Die chemische Industrie steigerte ihren Gesamtumsatz von 53,57 Mrd DM (1970) auf 56,74 Mrd. DM und blieb mit einer Wachstumsquote von rund 5,8 Prozent hinter dem Durchschnittswert für die gesamte deutsche Industrie leicht zurück. Im Vergleich zu den Chemiebetrieben anderer europäischer Länder zeichneten sich die deutschen Unternehmen durch hohe Ausgaben für die Forschung und Entwicklung aus. Zwischen 1962 und 1972 betrug in Westdeutschland ihr Anteil am Gesamtumsatz in der Mineralölindustrie 0,8 bis 1,2 Prozent und in der chemischen Industrie 3 bis 5 Prozent (Pharmazeutische Industrie: 8 bis 10 Prozent). Mit einem Umsatz von insgesamt 68,32 Mrd. DM (+4,3 Prozent) behauptete der Maschinenbau seine führende Position unter den westdeutschen Industriezweigen. Am Umsatz gemessen waren die Büro- und Informationstechnik (5,81 Mrd. DM), der Werkzeugmaschinenbau (5,71) und die Antriebstechnik (4,21) von besonderem Gewicht.

Jahresbericht 1972 (only available in German)
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Das Jahr 1971

Ein langsameres Wirtschaftswachstum in den westlichen Industrieländern und ein „weltweiter Kosten- und Preisauftrieb" waren für die „Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute" die wichtigsten Momente der weltwirtschaftlichen Entwicklung: „Die Zunahme des Sozialprodukts in der westlichen Welt hat sich im Winterhalbjahr insgesamt verstärkt, dies allerdings nur wegen des nun zügig fortschreitenden Konjunkturaufschwungs in Nordamerika. Der weltweite Kosten- und Preisauftrieb ist nur wenig schwächer geworden. Die währungspolitische Unsicherheit ist gemindert worden, doch bleibt die Situation angesichts des ungelösten Dollarproblems labil. Der Konjunkturabschwung in Westeuropa setzte sich im Winterhalbjahr 1971/72 fort, wenn auch nicht so stark wie im Herbst 1971 erwartet". Die Grundlinien der globalen Entwicklung kamen auch in der westdeutschen Wirtschaft zum Ausdruck. Das reale Bruttosozialprodukt nahm nur noch um 2,7 Prozent zu; die Inflationsrate lag indes mit 5,4 Prozent bereits über der gesamtwirtschaftlichen Wachstumsrate. Globale währungspolitische Fragen berührten überdies die Bundesrepublik unmittelbar. Nachdem die Bundesregierung im Mai 1971 den Wechselkurs der DM frei gab und der Dollar im Sommer nur noch 3,32 DM wert war, koppelte die US-Regierung den Dollar im August vom Goldstandard ab. Um das internationale Währungssystem nicht erodieren zu lassen, wertete eine internationale Währungskonferenz die DM gegenüber dem Dollar im Dezember auf (1 Dollar = 3,2225 DM).

Die Jahresbilanz der chemischen Industrie, die eine Produktionssteigerung von 6,7 Prozent erreichte, fasste die Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" zu Beginn des Jahres 1972 wie folgt zusammen: „Mäßigen Zunahmen bei den anorganischen und organischen Grundchemikalien sowie deren Folgeprodukten standen größere Produktionsfortschritte bei Kunststoffen, synthetischem Kautschuk, Chemiefasern sowie den konsumnahen Pharmazeutika, Körperpflegemitteln, Feinwasch- und Geschirrspülmitteln gegenüber. Die Produktion von Syntheseammoniak war wegen der schwierigen Exportbedingungen für stickstoffhaltige Düngemittel weiter rückläufig. Auch die Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel erlitten Produktionseinbußen". Im Maschinenbau übertraf der Produktionswert die Kennziffer des Vorjahres um 7,2 Prozent. Preisbereinigt gingen indes die Aufträge aus dem Inland um 14 Prozent und aus dem Ausland um 10,2 Prozent zurück.

Jahresbericht 1971 (only available in German)
PDF (3,5MB)

Das Jahr 1970

Im Kreis der westlichen Industriestaaten verlief die wirtschaftliche Entwicklung im großen und ganzen ambivalent. Das reale Bruttosozialprodukt stieg in den OECD-Ländern um 2,5 Prozent, im EWG-Raum um 5,5 Prozent. In den europäischen Industrieländern erwirtschafteten Österreich (+7 Prozent), Frankreich (+6 Prozent) und die Niederlande (ebenfalls +6 Prozent) die höchsten Zuwächse, während die Volkswirtschaften Norwegens (+3,5 Prozent) und Großbritanniens (+2 Prozent) unterdurchschnittlich wuchsen. Weltweit behauptete Japan mit einem realen Wachstum von 11 Prozent seine führende Position unter den Industrienationen. Die USA erzielte mit 1.010 Mrd. DM zwar nominal das höchste Bruttosozialprodukt ihrer Geschichte – real stand 1970 allerdings ein Minus von 0,4 Prozent zu Buche.

Die wirtschaftlichen Kennziffern der Bundesrepublik aus dem Jahr 1970 standen den Daten des Vorjahres kaum nach. Das reale Bruttosozialprodukt (+5,9 Prozent) und der Nettolohn der Arbeitnehmer (+8,7 Prozent) stiegen bei einer erneut niedrigen Arbeitslosenquote von 0,7 Prozent nochmals spürbar. Wie schnell die Krise der Jahre 1967/68 in einen Boom überging, zeigt sich in einem zusammenfassenden Blick auf die Jahre zwischen 1967 und 1970: Das reale Bruttosozialprodukt lag 1970 um fast 23 Prozent, die Anlageinvestitionen um ca. 35 Prozent und der private Verbrauch um rund 20 Prozent höher als vier Jahre zuvor. Die industrielle Entwicklung verlor allerdings - wie in zahlreichen anderen Industriestaaten – etwas an Tempo. In Westdeutschland erhöhte sich die Industrieproduktion um 6,1 Prozent – ein Wert, der leicht unter dem EWG-Durchschnitt (6,6 Prozent) lag. Eine rückläufige Produktion bestimmten die Entwicklung in der Textil- und Bekleidungsindustrie; auf starke Zuwächse konnten hingegen u.a. die elektrotechnische Industrie, die KFZ-Industrie, die chemische Industrie (+5,9 Prozent) und der Maschinenbau verweisen.

Jahresbericht 1970 (only available in English)
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