Das Jahr 1969

Fast alle Industrienationen hatten 1969 ein starkes Wirtschaftswachstum, geringe Arbeitslosigkeit, bisweilen einen spürbaren Mangel an Arbeitskräften und steigende Nominallöhne zu Buche stehen. Zwar reichte das Wachstum des realen Bruttosozialprodukts in der EWG nicht an den Spitzenwert der japanischen Wirtschaft heran (+12,5 Prozent), erreichte mit +7,1 Prozent allerdings einen mehr als ordentlichen Durchschnittswert (Frankreich +8 Prozent, Belgien +6 Prozent, Italien und Niederlande +5 Prozent). Auf ein unterdurchschnittliches Wachstum kamen im Kreis der Industrieländer lediglich die USA (+2,8 Pro-zent) und Großbritannien (+1,2 Prozent).

Die Bundesrepublik legte im Jahr 1969 ökonomische Kennziffern vor, die fast schon an die Zeit der „Wirtschaftswunderjahre" erinnerten. Das reale Bruttosozialprodukt zog um beachtliche 8,2 Prozent an, die industrielle Erzeugung wuchs um 12,5 Prozent. An der guten Konjunktur partizipierten faktisch alle Industriezweige: Die Investitionsgüterindustrie steigerte ihre Produktion um 18,7 Prozent, die Verbrauchsgüterindustrie um 11,4 Prozent und die Nahrungs- und Genussmittelindustrie um 4,6 Prozent. In der chemischen Industrie erhöhten sich die Produktion um 11,6 Prozent (einen Aufschwung erlebte besonders die Erzeugung von Chemiefasern und Kunststoffen) und die Ausfuhren um 13,3 Prozent. Erfolgreiche Zahlen präsentierte auch der Maschinenbau. Der Gesamtumsatz wuchs rund 20 Prozent, der Export stieg um 12 Prozent. Dabei wurde die Exportliste von den Werkzeugmaschinen, gefolgt von Textil- und Büromaschinen, angeführt. Für die sehr gute gesamtwirtschaftliche Situation waren die zurückhaltenden Tarifabschlüsse, der Bankrott zahlreicher kleinerer unrentabler Betriebe (der zugleich weiter existierenden Unternehmen neuen Expansions- und Marktchancen bot), die gute Konjunktur wichtiger Wirtschaftspartner im Ausland, aber auch die positiven Begleiteffekte des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes und der staatlichen Konjunkturprogramme verantwortlich.

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Das Jahr 1968

Abermals wurde die Weltwirtschaft von signifikanten Differenzen zwischen den Regionen geprägt. Eine gute Konjunktur bestimmte das Wirtschaftsleben in Japan, Deutschland, Frankreich, Schweden oder auch den Beneluxländern, während etwa die Wirtschaft in den USA im ersten halben Jahr expandierte, um sich in den zweiten sechs Monaten abzuschwächen. Allerdings erzielten die meisten Industrieländer in der Produktion und ihrer Produktivität beachtliche Zuwächse. So zog die industrielle Erzeugung am stärksten in Japan an (+17,5 Prozent). Auf den weiteren Plätzen folgten die Bundesrepublik (+11,7 Prozent), die Niederlande (10,9 Prozent), Italien (+6,3 Prozent), Belgien (+6,2 Prozent), Schweden (+5,4 Prozent) und Kanada (+5 Prozent).

Der Bundesrepublik gelang es sehr schnell, die ökonomische Krise der Jahre 1966/67 zu überwinden und befand sich in den nächsten fünf Jahren wieder auf einem Wachstumskurs. Das reale Bruttosozialprodukt, das im Vorjahr erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik negativ ausfiel, schnellte auf einen Zuwachs von 6,6 Prozent nach oben, die Anlageinvestitionen nahmen wieder um 12,1 Prozent zu (ein Wert, der seit 1955 nicht mehr erreicht wurde), die Nachfrage im Inland belebte sich und füllte die Auftragsbücher der Industrie, die ihrem Gesamtumsatz um 14,5 Prozent erhöhte. Die Unternehmensgewinne lagen um 16,8 Prozent höher als 1967 und auch der private Verbrauch mehrte sich um 5,4 Prozent. Das Produktionsergebnis pro Beschäftigten nahm in der chemischen Industrie, die ihre Nettoumsätze leicht von 9,9 auf 10,3 Milliarden DM steigerte, um 15,2 Prozent und im Maschinenbau, der bei den Nettoumsätzen annährend stagnierte (1967: 10,7 Mrd. DM; 1968: 10,4 Mrd. DM), um 4,7 Prozent zu.

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Das Jahr 1967

Die weltwirtschaftliche Entwicklung verlief 1967 regional sehr unterschiedlich. In der EWG erhöhte sich das reale Bruttosozialprodukt um 3 Prozent – ein Durchschnittswert, den etwa Italien mit 5,9 Prozent übertraf, Belgien, Luxemburg und vor allem auch die Bundesrepublik hingegen längst nicht mehr erreichten. Nach Jahren kontinuierlicher gesamtwirtschaftlicher Expansion versetzte eine (wird die Wachstumsstörung in die langfristigen Trends der westdeutschen Ökonomie eingeordnet) eher „milde Rezession" (Robert Hettlage) die Zeitgenossen in Wirtschaft und Politik nahezu in einen Alarmzustand. Ausbleibendes Wirtschaftswachstum (-0,1 Prozent), eine Arbeitslosenquote von 2,1 Prozent, die 1965 noch 0,7 Prozent betrug, eine Inflationsrate von 3,5 Prozent, die schrumpfende Industrieproduktion (der Gesamtumsatz verminderte sich um 7,4 Prozent) und ein Rückgang der Anlageinvestitionen um 8,4 Prozent signalisierten erstmals die Grenzen wirtschaftlichen Wachstums in der Bundesrepublik. Die Rezession traf insbesondere das Bauwesen, die Kraftfahrzeugindustrie, die Textilindustrie und auch den Maschinenbau, der einen Produktionsrückgang von 6,6 Prozent verschmerzen musste. (eine Exportsteigerung von 9 Prozent sorgte allerdings dafür, die Branche unter den industrieexportierenden Staaten den ersten Platz einnahm). Die chemische Industrie erwies sich dagegen als krisenresistent und erhöhte – obgleich die Kapazitäten der großen Konzerne nicht ganz ausgelastet waren - ihre Umsätze um 4,3 Prozent.

Die gesamtwirtschaftliche Situation musste auch die Großen Koalition herausfordern, die mit der „Konzertierten Aktion", der Verabschiedung des Stabilitätsgesetzes und der „Mittelfristigen Finanzplanung" sowie mit einer Reform der Finanzverfassung wirtschaftspolitische Instrumentarien beschloss, die das Gewicht des Bundes bei wirtschaftspolitischen Grundsatzentscheidungen stärkte.

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Das Jahr 1966

Messer Griesheim musste die Folgen der Fusion und die notwendigen organisatorischen Anpassungsleistungen in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld erbringen. Die beiden Jahren 1966 und 1967 stehen in der Wirtschaftsgeschichte Westdeutschlands für das Ende der „langen fünfziger Jahre" (Werner Abelshauser), einer von 1949 bis 1966 reichenden Boomphase, die keine konjunkturellen Rückschläge kannte. Die ökonomischen Sonderbedingungen der Nachkriegszeit hatten endgültig ihre stimulierenden Wirkungen eingebüßt: das Potential an Arbeitskräften war ausgeschöpft, die Produktivität des Kapitals hatte zusehends abgenommen.

Seit dem Herbst erlebte die Bundesrepublik ihre erste Wirtschaftskrise, die wie ein Schock auf die vom Wirtschaftswunder verwöhnte westdeutsche Gesellschaft wirkte. Die privaten und öffentlichen Investitionen gingen merklich zurück. Nachdem die Inlandsnachfrage nach Erzeugnissen des Maschinenbaus bereits seit dem Frühjahr 1965 abebbte, nahmen seit dem Frühjahr 1966 auch die öffentlichen Tiefbauaufträge ab. In der deutschen Industrie wurde zusehends mehr produziert als verkauft. Die Überproduktions- und Absatzkrise ließ das Bruttosozialprodukt um nur noch 2,8 Prozent wachsen. Weitere Folgen waren un-vermeidlich: Zum einen erhöhte sich die Zahl der Firmenkonkurse erhöhte von 2.928 (1965) auf 3.301, zum anderen stieg die Arbeitslosenquote im zweiten Halbjahr empfindlich an. Die Zahl der Erwerbslosen schnellte von 101.476 im Juli auf 371.623 im Dezem-ber empor. Auch mit Blick auf die längerfristige Wirtschaftsstruktur steht das Jahr 1966 für einen Umbruch, da der Anteil der Beschäftigten im warenproduzierenden Gewerbe nicht mehr weiter anstieg und sich statt dessen die „Tertiarisierung" der Wirtschaft entscheidend beschleunigte.

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Das Jahr 1965

In den Industriestaaten hielt – bei länderspezifischen Unterschieden – der Trend zu einem weiteren Wachstum der wirtschaftlichen Leistungskraft an. In den USA belebte sich die Konjunktur, Frankreich und Italien zeigten sich besonders in der zweiten Jahreshälfte wirtschaftlich erholt, in Großbritannien bestimmten dagegen konjunkturelle Stagnation sowie ein Anstieg der Preise die gesamtwirtschaftliche Bilanz.

Ohne die starken Zuwächse des Vorjahres zu erreichen, setzte sich in der Bundesrepublik das stabile Wachstum fort. Die reale Zunahme des Bruttosozialprodukts um 5,3 Prozent lag deutlich über dem EWG-Durchschnitt von 3,7 Prozent. Die Erhöhung der Industrieproduktion von 6,4 Prozent entsprach dagegen nicht ganz dem Mittelwert im EWG-Raum (+6,7 Prozent), übertraf aber immerhin leicht das industrielle Wachstum in den USA (+6,1 Prozent). In jenem Jahr, in dem die Adolf Messer GmbH mit Teilen der Knapsack-Griesheim AG zur Messer Griesheim GmbH fusionierte, spielten die großen deutschen Konzerne, die aus der Entflechtung der IG-Farben hervorgegangen waren, im Kreis der weltweit größten Chemieunternehmen wieder in vorderer Reihe mit. Die Leverkusener Bayer AG (Umsatz 1965: 5,39 Mrd. DM), die Farbwerke Hoechst (5,24 Mrd. DM) und die BASF (4,05 Mrd. DM) brachten zusammen zwei Fünftel des Branchenumsatzes auf, der sich um rund 8,8 Prozent erhöhte. Im Exportgeschäft – die wichtigsten Abnehmer blieben die Staaten der EWG - dominierten unverändert die Industriechemikalien. Der Maschinenbau als größter Industriezweig war gegenüber dem Vorjahr wieder auf dem Vormarsch und steigerte seine Produktion um ca. 10 Prozent.

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Das Jahr 1964

In den nichtkommunistischen Staaten Europas nahm das Bruttosozialprodukt allenthalben stärker zu als im Jahr zuvor und erreichte einen Zuwachs von rund 5 Prozent. Von Italien abgesehen, nahm ferner die industrielle Produktion überall zu. Die schwache Konjunktur Italiens sowie Frankreichs waren maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich das durchschnittliche Wachstum in der EWG gegenüber den vergangenen zwölf Monaten verlangsamte.

In der EWG nahm die Volkswirtschaft der Bundesrepublik, die sich gegenüber dem Vorjahr wieder kräftiger entwickelte, eine Spitzenposition ein. Die westdeutsche Zuwachsrate des realen Bruttosozialprodukts von 6,5 Prozent wurde 1964 von keinem anderen Mitgliedsstaat erreicht. Darüber hinaus hatte die Bundesrepublik den geringsten Preisanstieg und als einziger EWG-Staat hohe Ausfuhrüberschüsse vorzuweisen. Westdeutschland behauptete im Welthandel mit einer um 11,3 Prozent gestiegenen Ausfuhr seinen zweiten Platz hinter den USA. Bemerkenswert waren ferner der sprunghafte Anstieg des privaten Verbrauchs um rund 8 Prozent und die hohen Anlageinvestitionen, die um 14,3 Prozent zunahmen. Die Industrieproduktion nahm insbesondere im zweiten und vierten Quartal deutlich zu. Der Gesamtumsatz in der chemischen Industrie wuchs um rund 10 Prozent, wobei die Produktion von Kunststoffen nicht nur in der Bundesrepublik deutlich expandierte. Bei den Ausfuhren, die sich um etwa 14 Prozent erhöhten, standen die Industriechemikalien vor Kunststoffen und Pharmazeutika an der ersten Stelle. Im Maschinenbau verringerte sich die Produktionsmenge um 3,3 Prozent, ihre Wert nahm allerdings um 0,2 Prozent ab. Da sich der Export in die EWG beschleunigte, stieg die Gesamtausfuhr der Branche um 6,6 Prozent an.

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