
Meine Dienstabenteuer im Reich der Mitte
Frank Hopfenbach, Controller in der Messer-Holding in Sulzbach, tauschte für vier Monate den Job mit seinem Kollegen Xu Qing, Chief Financial Offi cer bei Messer China in Shanghai.
Für die Verhandlungen zur Gründung der Cryogenic Engineering GmbH reiste ich erstmals für sechs Tage nach Hangzhou. Der erste Eindruck war rundum positiv – China scheint sehr westlich orientiert zu sein, es gibt zum Beispiel die Magnetschwebebahn, gut ausgebaute Straßen und riesige Hochhäuser. „Geduld“ heißt jedoch das Zauberwort bei Verhandlungen, denn die Entscheidungsfindung gestaltet sich oft als sehr langwierig. Kulinarisch wurde dafür sehr viel geboten: Neben frischem Fisch, Gambas, Krebsen und Gemüse wurden auch exotische Gerichte wie Quallen, Seegurken, Reiswürmer, frittierte Bienen und Schlange serviert. Höhepunkt war der Moment, als der Gänsefuß aufgetischt wurde. Mit einem Handschuh bewaffnet nagte ich die einzelnen Zehen ein wenig ab, mehr davon zu essen war mir nicht möglich. Im April hatte ich als frischgebackener Chief Financial Officer der Region China die Möglichkeit, an diversen Verwaltungsratssitzungen unserer Tochtergesellschaften teilzunehmen. Meine erste Dienstreise führte zu einem zahlungsunwilligen Kunden. Nach seinem Versprechen, zukünftig zu zahlen, lud er uns zum Essen ein. Neben den üblichen Köstlichkeiten wurde diesmal eine Schildkröte serviert. Dazu floss der Mao Tai – ein chinesischer Weißwein mit 53 Prozent Alkoholgehalt. Neben Geduld sollte man also auch Trinkfestigkeit mitbringen. Die chinesischen Finanzkollegen lernte ich bei einem Finanzmeeting in Lijiang kennen. Höhepunkt war der Besuch der örtlichen Grundschule. In einer Englisch-Unterrichtsstunde versuchte ich, den Schülern westliche Essmanieren zu vermitteln. Vor der gesamten Schüler und Lehrerschar folgte eine Rede in Chinesisch, ehe ich ein paar Präsente an den Direktor überreichen konnte. Ich trat weitere Dienstreisen in den Westen Chinas an. In vielen Gegenden ist die Natur einfach traumhaft, durch die Industrialisierung jedoch auch schon ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Im Gegensatz dazu zeigt sich Shanghai eher nüchtern. Hochhäuser, volle Straßen – nicht nur Autos, Fahrräder und Roller, sondern auch Menschenmassen prägen das Bild. Es war überwältigend.