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Interview mit Matthias Thiele (Mai 2008)

Interview mit Matthias Thiele, Vice President Medical Gases

ThieleHerr Thiele, im Jahr 2007 wurde das Medizin-Geschäft als eine Kernaktivität der Messer Gruppe definiert und Sie haben in diesem Zusammenhang die Leitung für Europa übernommen. Ist das Thema ganz neu?
Lassen Sie mich zunächst sagen - wir haben ein Team gebildet! Die Organisation des Medizin-Bereiches setzt sich aus Kompetenzpersonen verschiedener Landesgesellschaften zusammen, so können wir eine „europäische Ausrichtung“ gewährleisten. Und nein, das Thema ist nicht neu. In der Medizin spielen Gase wie Sauerstoff, Helium, Lachgas und Kohlendioxid schon lange eine wichtige Rolle. Es gibt zwei wesentliche Qualitätsaspekte: zum einen die Vielzahl von Gasgemischen für unterschiedliche medizinische Anforderungen, zum anderen die Reinheit und sorgfältige Herstellung der Gase. Unser Geschäft ist lokal, daher setzen wir bisher in unseren Tochtergesellschaften unterschiedliche Schwerpunkte. Wir möchten aber in ganz Europa Komplettanbieter für Gase und Medizintechnik werden.

Was sind die nächsten Schritte?
Besonderes Augenmerk gilt der Versorgung unserer Kunden mit medizinischem Sauerstoff. Bei unseren Tochtergesellschaften ist das bereits ein Bestandteil des Geschäftsbereiches Medizin, allerdings ausbaufähig. Unser Ziel ist es, in allen europäischen Märkten zum Vollanbieter im Bereich der Beatmung zu werden. Vom Krankenwagen über das Krankenhaus bis in den Heimpflegebereich wollen wir eine Sauerstoffversorgung garantieren. Die beiden Marktsegmente nennt man Clinical Care und Home Care. Genauso wichtig ist die zugehörige Hardware, die von uns als Handelsware vertrieben wird und ohne die wir nicht wettbewerbsfähig sind. Unser in Österreich angesiedeltes Tochterunternehmen Laborex-Sanesco unterstützt uns mit der Versorgung dieser Produkte. Bestandteil unseres Engagements ist auch der Aufbau des Geschäfts mit medizinischen Gasen und Produkten in Deutschland. Der Blick in die Zukunft richtet sich auch auf eventuelle Allianzen, die unser Know-how noch erweitern.

Sicher unterscheiden sich Ihre Zielgruppen im Bereich medizinischer Gase zu den Industrien, die Sie mit technischen Gasen beliefern - was sind die Besonderheiten?
Besonders für den Bereich der Heimpflege gilt, dass die Kundenstruktur völlig anders ist und damit auch unsere Verkäuferstruktur daran angepasst werden muss. In Belgien und Italien haben wir die Geschäftsbereiche Industriegase und Medizingase bereits getrennt (siehe Kasten). In Italien benötigt einer von 1.000 Menschen im Alter flüssigen Sauerstoff zur Beatmung. Doch wir bieten auch daran angeschlossene Dienst- und Arztleistungen und schließen Verträge mit Gesundheitsbehörden, Physiotherapeuten, Pflege- und Transportdiensten. Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Wir bieten keine ärztliche Versorgung, aber Versorgungskoordination zum Wohle unserer Kunden.