
Interview mit Juan Bedoya, Managing Director Messer Gases del Peru

Peru – seit Anfang 2007 sorgt die gute Wirtschaftskonjunktur für eine positive Stimmung auf dem peruanischen Markt. Davon profitieren der Export landwirtschaftlicher Produkte, das peruanische Erdgasgeschäft sowie die Minen- und Fischfang-Industrie. Alles Bereiche, in denen auch Messer in Peru mit seinen Gasen aktiv ist. Für Juan Bedoya, Managing Director bei Messer Gases del Peru, ist dies Grund genug, um auch in die wachsenden Märkte wie Schiffbau, produzierende und verarbeitende Industrie oder Bergbau weiter vorzustoßen. „Wir nutzen die gute wirtschaftliche Konjunktur, um neue Kunden zu gewinnen“, informiert er, „das ist Teil unserer Strategie.“
Herr Bedoya, Perus Wirtschaft privatisiert sich zunehmend. Immer mehr Unternehmen siedeln sich an, gleichzeitig steigt das Wirtschaftswachstum. Welche Chancen nutzt Messer?
Für Messer in Peru ergeben sich grundsätzlich neue Chancen, um in allen Branchen mit neuen und bekannten Anwendungstechnologien und Verfahren von Messer noch stärker Fuß zu fassen, wie das Beispiel von Maersk Peru zeigt: Mit dem steigenden Export von Südfrüchten und Gemüse erhöhte sich die Nachfrage bei Maersk Peru an Stickstoff und CO2 zum Inertisieren und Kühlen von Waren während der Verschiffung. Durch Umstellung von gasförmigem auf flüssiges Kohlendioxid können die Früchte im Kühlcontainer nun doppelt so schnell heruntergekühlt werden. Unsere neue Art der Verdampfung von CO2 überzeugte die Tochter einer der weltweit führenden Containerschiffsreedereien und wir erhielten den Auftrag. Bei Construcciones A. Maggiolo S.A., der führenden Werft in Peru, gelang es uns, die Produktionskosten von Schiffbau und Instandhaltung zu senken und die Produktivität zu steigern, indem wir die Belieferung von Sauerstoff in Gasflaschen auf Bulk-Versorgung mit flüssigem Sauerstoff umstellten. Bei der Beratung zur Produktivitätssteigerung waren wir auch bei Motores Diesel Andinos S. A., kurz Modasa, sehr erfolgreich. Motores Diesel Andinos ist für uns ein wichtiger Kunde aus den wachsenden Märkten. Früher fertigte das Unternehmen nur Dieseltriebwerke für Schwerlastfahrzeuge und Generatoren. Seit der Eröffnung eines neuen Werkes in der Landeshauptstadt Lima zählt Modasa zu den führenden Herstellern im Bereich des Fahrzeugaufbaus für Langstreckenbusse und von Generatortriebwerken in der Andenregion. Bisher lieferten wir Argon, Sauerstoff, Kohlendioxid, Schweißschutzgase, Schweißdrähte und Stabelektroden an Modasa. Nach einer erfolgreichen Beratung im Hause Modasa über den Einsatz von Industriegasen zur Produktivitätssteigerung erhielten wir den Auftrag, ein Gasversorgungssystem zu errichten. Zusätzlich vereinbarten wir die Inbetriebnahme eines von unserer Schwestergesellschaft Messer Cutting & Welding hergestellten Multi-Plasmaschneidsystems bei Modasa.
Für uns von ganz besonderer Bedeutung ist die Übernahme von Sider Peru durch die Gerdau Gruppe. Seitdem produziert unsere Luftzerlegungsanlage am Standort Chimbote endlich im Dauerbetrieb Luftgase, die wir über Rohrleitungen sozusagen über den Zaun an den Stahlproduzenten liefern. Außerdem produziert die Anlage Argon, das – wie fast überall auf der Welt – in Peru Mangelware ist.
Herr Bedoya, eines der schwersten Erdbeben erschütterte im August Peru. Hinterließ die schlimmste Naturkatastrophe auch bei Messer Spuren?
Das nur wenige Minuten andauernde Beben zerstörte ganze Städte und große Teile der Küstenstadt Pisco. Dem stärksten Erdbeben in der Region seit 25 Jahren fielen mehr als 550 Menschen zum Opfer. Darunter befanden sich auch Angehörige von sechs Messer-Mitarbeitern. Trotz aller Ungewissheit und des herrschenden Chaos gelang es unseren Mitarbeitern an unseren zwei Standorten, die Versorgung der Kunden weiter aufrechtzuerhalten. Die Verantwortungsbereitschaft meiner Kollegen und Kolleginnen ließ uns die schwierige Situation überwinden und wieder schnell in den Alltag zurückfinden. Die menschlichen Schicksale bewegen uns jedoch noch weiter.