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Stahl und Sauerstoff sind starke Partner

Der Grundstein für den Bau der ersten Luftzerlegungsanlage von Messer in Deutschland auf dem Gelände der Deutschen Edelstahlwerke in Siegen wurde gelegt. Karl Haase, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Edelstahlwerke GmbH, sprach mit Diana Buss aus diesem Anlass über die langfristige Partnerschaft, die Ausbildungsförderung und die Märkte der Zukunft.
T:\06 - Communications\0601 - Corporate Communications\_Nilkens\_DSC9189on air: Herr Haase, wofür benötigen Sie den Sauerstoff aus dem neuen Luftzerleger?
Karl Haase: Hier in Siegen darf man den Begriff des „Frischens“ noch benutzen: Frischen ist in der Stahlproduktion das Entfernen des Kohlenstoffs aus dem Stahl. Hierfür und zur Verschlackung anderer unerwünschter Elemente im Stahl wird Sauerstoff gasförmig in den Ofen eingeblasen. Heute wird der Sauerstoff in flüssiger Form mit dem Tankwagen angeliefert und vor Ort in gasförmigen Sauerstoff umgewandelt. Sobald die Luftzerlegungsanlage in Betrieb ist, erhalten wir die benötigte Menge an Sauerstoff bereits gasförmig. Das ist ein Riesenvorteil, denn wir sparen die hohen Energiekosten für die Umwandlung. Nun ist aber der Bedarf für unsere Stahlwerke nicht hoch genug, um den Bau einer eigenen Produktionsanlage für Industriegase in Siegen zu rechtfertigen. Wir sind sehr froh, mit der Firma Messer jemanden gefunden zu haben, der hier Luft selbst zerlegen möchte, um Gase herzustellen. Wir nehmen einen großen Teil der Produktion ab – so kamen zwei Wünsche erfolgreich zusammen.

on air: Warum haben Sie sich gerade für Messer als Partner entschieden?
Karl Haase: Mit Messer haben wir einen 15-Jahres-Vertrag abgeschlossen, denn wir möchten den Standort Siegen langfristig revitalisieren. Auf der Suche nach einem geeigneten Partner haben wir uns zunächst an die ganz großen Industriegaselieferanten gewandt, doch die haben kein Interesse, dafür ist das Geschäft zu klein. Wir sind dann schnell mit Messer zusammengekommen, denn Messer fällt als eigentümergeführtes Unternehmen gleichfalls langfristige Entscheidungen. Es hat ein Treffen zwischen Herrn Messer und unserem Aufsichtsratsvorsitzenden ausgereicht, um zu merken, dass die Partnerschaft gewinnbringend sein wird.

on air: Weiter eint beide Unternehmen eine hohe Ausbildungsquote. Bitte erzählen Sie uns etwas über die Ausbildung bei den Deutschen Edelstahlwerken.
Karl Haase: Die Ausbildung hat eine lange Tradition im Unternehmen und wurde schon betrieben, bevor es Deutsche Edelstahlwerke hieß. In Zusammenarbeit mit unserem Betriebsrat wurde die Ausbildungsquote auf sieben Prozent festgelegt. „Den besten Stahl mit den besten Leuten“, diesen Satz hat unserArbeitsdirektor geprägt. Die besten Leute muss man selbst ausbilden, und vor allem: Stahl muss man mögen! Man muss den Ruf hören und sich entscheiden, ob man die Branche fürchtet oder mag. Wir müssen den Menschen Technik demonstrieren, und wir merken, es gibt auch heute noch Technikbegeisterte! An unserem Hauptsitz in Witten sind wir noch einen Schritt weiter gegangen. Die Ausbildungswerkstatt wurde seinerzeit veräußert, um Kosten und Personal einzusparen. Unter der Leitung von Schmolz + Bickenbach haben wir dieses Ausbildungszentrum wieder zurückerworben und ihm einen neuen Namen gegeben: Heute heißt es „Deutsche Edelstahlwerke KarriereWerkstatt“, denn es gibt in einem Stahlwerk auch kleine Karrieren. Man muss nicht immer Geschäftsführer oder ein Mitglied der ersten Leitungsebene werden, auch als Vorarbeiter oder als Meister hat man Karriere gemacht. Dafür bedarf es einer guten Ausbildung, und daher haben wir diesen Namen gewählt. Wir bilden zurzeit 340 Auszubildende aus, darunter sind 100 Auszubildende für andere mittelständische Betriebe.

on air: Herr Haase, zum Schluss noch eine Einschätzung: Welche sind für Sie die Märkte der Zukunft?
Karl Haase: Als Märkte der Zukunft schätze ich die alternativen Energien ein. Bei den Unternehmen, die sich mit Windkraft beschäftigen, ist bei einem Wachstum von bis zu 20 Prozent im Jahr ein ungeheurer Boom zu verzeichnen. Das ist auch für uns der am stärksten wachsende Markt, denn wir liefern den Stahl für die Getriebe der Windkraftanlagen, Wellen, Zahnräder und Lager. Aber auch die Explorationstechnik ist für die Deutschen Edelstahlwerke interessant. Wenn Sie den hohen Preis für das Barrel Öl kennen, dann wird Ihnen bewusst, dass mehr Öl gefördert werden muss. So müssen heute Reserven gefördert werden, für die sich bisher der technische und finanzielle Aufwand nicht gelohnt hat. Immer tiefere Bohrungen bis zu 4.000 oder sogar 5.000 Metern Tiefe sind keine Seltenheit. Wir liefern nicht nur den Stahl für die Bohrer, sondern stellen auch das Halbzeug für Bohrgestänge her. Der Automobilmarkt ist auch stark, doch ich sehe ihn als relativ gesättigt. Fahrzeuge werden sicher in Zukunft etwas kleiner werden, vielleicht auch eine andere Antriebstechnik erhalten. Dennoch wird es immer Autos geben und wir werden nichtsdestotrotz weiter Stahl für die Automobilindustrie liefern.